Die Geschichte

Enge wird städtisch  1890 - 1922

Soziales Elend zwingt zur Eingemeindung 
Ende des 19. Jahrhunderts bestand die Stadt Zürich rechtlich nach wie vor nur aus dem heutigen Kreis 1 (City). Wirtschaftlich war jedoch mit der Industrialisierung mit den Aussengemeinden zusammen eine Agglomeration entstanden, die vor riesigen sozialen Problemen stand. Insbesondere im Quartier Aussersihl war die Verelendung breiter Schichten offensichtlich, so dass der Kanton diese Gemeinde immer wieder unterstützten musste. Immer lautstarker verlangten die Aussersihler eine Eingemeindung mit der "reichen" Stadt.
Die reiche Enge als Kompensation 
Die Stadt Zürich war jedoch nicht gewillt, nur die "armengenössigen" Aussengemeinden zu integrieren, sondern forderte eine Gesamtlösung - insbesondere unter Einschluss der Gemeinde Enge. Während in den übrigen selbstständigen Gemeinden das steuerpflichtige Vermögen pro Kopf bei 600 bis 4'400 Franken lag - also maximal die Hälfte des Durchschnittsvermögens in der Stadt - so überflügelte die Enge die Kernstadt noch mit einem Vermögen pro Kopf von 9'400 Franken.
Zur Solidarität "gezwungen" (1893) 
Im August 1891 wurde das kantonale Gesetz zur Eingemeindung der 12 Gemeinden im Raum Zürich mit grosser Mehrheit angenommen. Die direkt betroffenen Engemer waren allerdings nicht unbedingt erfreut, ihre privilegierte Position als damalige "Goldküste" zu verlieren und lehnten deshalb das Gesetz mit dem Zufallsmehr von 448 Ja zu 453 Nein ab. Die Eingemeindung trat auf den 1. Januar 1893 in Kraft.
Das Wahrzeichen des Quartiers (1894) 
Professor Friedrich Bluntschli, ein Freund Gottfried Kellers, entwirft auf der Bürgliterrasse die reformierte Kirche, die am 24./25. Juni 1894 feierlich eingeweiht wird. Aufgrund der hervorragenden Lage, der repräsentativen Gestaltung und eines 60 Meter hohen Turms mit fünf Glocken wird die Kirche rasch zum Wahrzeichen des Quartiers.
 Das Wahrzeichen des Quartiers (1894)
Musikgenuss pur (1895) 
Am 19. Oktober 1895 wird an Zürichs schönster Lage am Alpenquai die Neue Tonhalle eingeweiht. Johannes Brahms dirigiert höchst persönlich sein "Triumphlied". Das Gebäude wurde im Stil des Pariser Trocadéro-Palastes von den Wiener Architekten Fellner und Helmer erstellt. Der Bau muss 1939 grösstenteils dem Kongresshaus weichen.
 Musikgenuss pur (1895)
Eine Schule macht Eindruck (1897) 
Seit dem 17. Jahrhundert gibt es in der Enge eine Schule. Nach der Eingemeindung will die Stadt Zürich in den bisherigen Aussengemeinden klar Flagge zeigen und möglichst rasch städtisches Ambiente verströmen. Die neuen Bürger sollen die Veränderung auch optisch spüren. Deshalb wirken zahlreiche der in dieser Zeit entstandenen Schulhäuser wie das 1897 erbaute Lavater-Schulhaus in der Enge so repräsentativ und eigentlich wenig "kindgerecht".
Badeplausch in der Enge (1922) 
Einige Jahre nach dem ersten Weltkrieg wird 1922 das Strandbad Mythenquai erstellt, das einem grossen Bedürfnis der Bevölkerung entsprach und aufgrund eines grosszügigen Layouts, der Südostlage und der bequemen Erreichbarkeit zum beliebten Sommerplausch wurde. Schon nach wenigen Wochen muss die Trennwand zwischen den getrennten Geschlechterbereichen entfernt werden.